In cerca di avventure in Italia...

Sunday, April 01, 2007






Ich wollte mich noch kurz melden, bevor vermutlich erstmal zwei Wochen Funkstille eintritt. Morgen kommen meine Eltern, und ich habe schon ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt - all die Orte, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr schwer zu erreichen sind, die ich aber unbedingt noch sehen möchte. Macht euch also auf eine Flut von Bildern gefasst! ;)

Als Nachtrag zum letzten Post: eine Woche ist seitdem vergangen, und das Thema beschäftigt uns nach wie vor sehr. Immer wieder kommen wir darauf zurück und diskutieren darüber. Und immer mehr werden uns die Lücken im Bild bewusst - europaweite Aufarbeitung der Vergangenheit? Fehlanzeige. Problematisch im Hinblick auf die Entwicklung der europäischen Integration und die Aufnahmegespräche mit den Balkanstaaten. Ich gebe zu, Stefan und ich sind Freaks - wir können stundenlang über Politik diskutieren, ohne dass uns langweilig wird. Wir haben Blut geleckt und ausgiebige Recherchen gestartet - ein Aspekt, der in der Literatur bisher übergangen wurde und der uns höchst relevant erscheint. Mal schauen, ob da nicht ein Dissertationsthema dabei rausspringt ;)

Ansonsten hatte ich letzte Woche einen wunderschönen Geburtstag. Danke für die vielen lieben Glückwünsche, die mich erreicht haben, eure lieben Karten, Emails und Anrufe. Danke an alle, die an mich gedacht haben. Es ist schön zu wissen, dass Freundschaften in aller Welt fortbestehen, auch wenn man sich nicht so oft sieht. Ganz besonderen Dank auch an eine ganz spezielle Person, die mir einen unvergesslichen Abend bereitet hat - du wirst dich schon angesprochen fühlen ;)

Anlässlich meines Geburtstages kam aber auch ein etwas kontroverses Thema zur Sprache: Erasmus. Ja, ich habe meinen Geburtstag in sehr kleinem Kreis gefeiert, mit Menschen, die mir wirklich etwas bedeuten. Ich stehe der ganzen Erasmus-Geschichte mehr und mehr mit Skepsis gegenüber. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, ein anderes Land, seine Kultur und Sprache kennenzulernen - eine Möglichkeit, die leider von so vielen Studenten nicht genutzt wird. Ich habe hier so viele Leute getroffen, die schon mit der Einstellung hergekommen sind, jetzt ein Jahr Party zu machen. Sicher, das ist ein Teil des Ganzen, aber nicht der Inhalt des Jahres. In erster Linie sind wir Studenten. Das Angebot hier an der politikwissenschaftlichen Fakultät ist interessant insofern als es zum Teil einen Blickwinkel bietet, der in Großbritannien oder Deutschland nicht möglich ist. Dazu interessante Vorträge im John Hopkins Institute - wer hätte gedacht, dass ich nach Italien fahren muss, um Helmut Schmidt oder Richard von Weizsäcker zu treffen (der einen wunderbar trockenen Humor hat, das nur am Rande ;))? All das geht an vielen Leuten völlig vorüber. Und selbst wenn man die akademische Seite übergeht und es sich zum Lebensinhalt macht, 7 Tage die Woche zu feiern - warum dann nicht versuchen, Italiener kennenzulernen? Es fehlt völlig das Interesse an der Sprache, der Kultur, der Lebensweise. Erasmus ist wie eine Art eigene Welt, in der sich die ganzen Austauschstudenten bewegen, ohne Kontakt zur Landeskultur. Ein Netz von oberflächlichen Bekanntschaften, das nach einem Jahr auseinanderbricht - und was bleibt zurück? Sicher, es ist anstrengend, sich Kontakte mit Einheimischen aufzubauen, die gerade hier im Norden Italiens doch recht "chiuso", verschlossen, sind - aber es ist es wert. Ich habe so wunderbare Menschen kennengelernt und echte Freundschaften geschlossen. Auch mit ein paar anderen Erasmusstudenten, wohlgemerkt, die der Sache kritisch gegenüberstehen. Leider die rühmliche Ausnahme.

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