
Es ist eindeutig Herbst geworden: es wird früh dunkel, es hat merklich abgekühlt, und es regnet, zum ersten mal seit vielen Wochen. Das graue Wetter passt momentan ganz gut zu meiner Stimmung - der Alltag hat mich endgültig eingeholt, die ersten Klausuren stehen an, und mein erstes Fazit nach vier Wochen Uni fällt etwas ernüchternd aus - daran ändert auch der wunderschöne Palazzo Hercolani (siehe Foto), in dem die politikwissenschaftliche Fakultät untergebracht ist, nichts. Sicher, in 3x2 Stunden Vorlesung pro Kurs ist die Stoffmenge gewaltig, aber es handelt sich Frontalunterricht und ergänzende Lektüre mit dem Ziel, Fakten wiedergeben zu können. Mir fehlen die Seminare in Birmingham und die angeregten Diskussionen mit Profs und Kommilitonen. Was im italienischen System völlig zu fehlen scheint ist jegliches kritische Auseinandersetzen mit der Materie. Ebenso frustrierend ist die Ausstattung der Bibliothek und der Kampf um die grundlegendste Lektüre - und das in der größten politikwissenschaftlichen Fakultät des Landes... In akademischer Hinsicht vermisse ich Birmingham doch sehr.
In jeglicher anderer Hinsicht hingegen fällt mein erstes Fazit rundum positiv aus. Ich genieße jeden Tag in vollen Zügen, und mein Italienisch hat sich schon enorm verbessert - wäre ja schlimm, wenn es nicht so wäre! Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert von der italienischen Lebensweise und beobachte und belausche die Italiener wann immer möglich. Die Uhren gehen eindeutig anders in Italien, und das ist jeden Tag aufs neue schön zu erleben.

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