Dienstag, 10. April: Heute nochmal ein langer Tag in die wunderschöne Toscana. So toll die Emilia Romagna momentan ist mit den Obstbäumen in voller Blüte, ich ziehe die Zypressen vor – insgesamt ist die Landschaft einfach harmonischer, weicher. Zuerst ging es nach San Gimignano, ursprünglich eine kleine etruskische Ansiedlung während der hellenistischen Periode (3. bis 2. Jahrhundert v.Chr.). Die eigentliche Geschichte des Ortes beginnt mit der Namensgebung durch den Bischof von Modena im 10. Jahrhundert, der den Ort im 6. Jahrhundert vor den Horden des Totila gerettet haben soll. Während des Mittelalters erlebte San Gimignano eine rasante Entwicklung vor allem im Bereich der Kunst dank der Via Francigena (Frankenstraße), die den Ort durchquerte. Im Jahre 1199 befreite sich die Gemeinde aus der Lehnsherrschaft der Bischöfe von Volterra und damit begann auch der wirtschaftliche Aufschwung. Allerdings konnte sie sich kriegerischen Auseinandersetzungen nicht entziehen, zuerst mit den Bischof von Volterra und angrenzenden Gemeinden, dann wurde sie in die Spaltungskämpfe zwischen den Guelfen und den Ghibellinen hineingezogen. Auf die Pestepidemie von 1348 folgte eine wirtschaftliche Krise und die zwangsweise Unterwerfung unter florentinische Herrschaft im Jahre 1353. Leider erlitt San Gimignano in den folgenden Jahrhunderten einen unglaublichen Verfall, so stehen heute von den ehemals 72 Türmen nur noch 14. Der Tourismus hat den Wiederaufschwung in ökonomischer sowie kultureller Hinsicht bewirkt, was leider aber das große Manko des Ortes ist: durch die hundertprozentige Ausrichtung auf Tourismus hat San Gimignano meiner Meinung nach leider sehr viel an Flair verloren.

0 Comments:
Post a Comment
<< Home