In cerca di avventure in Italia...

Wednesday, June 27, 2007

Ja, ich weiß, ich bin schon ein paar Tage von den Liparischen Inseln zurück, aber es war so viel los... Jetzt aber endlich ein kleiner Reisebericht, welcher der wunderbaren Wandertour sicher nicht mal ansatzweise gerecht wird. Es war ein perfekter Abschluss meines Italienjahres, und ich habe mich voll und ganz in Sizilien verliebt. Ich habe es genossen, mal wieder 10 Tage ganz auf mich gestellt zu sein, Zeit zum Nachdenken zu haben und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Und natürlich hat mir die Tour auch die eine oder andere Lektion erteilt, für die ich dankbar bin.

Lektion Nummer 1: Endlich auf meinen Körper hören und auf meine Gesundheit achten! Ich hatte mich im regnerischen trüben Bologna noch ein wenig erkältet, aber diese Warnsignale wie immer geflissentlich ignoriert. Nur hat sich der Schnupfen diesmal nicht in Wohlgefallen aufgelöst, sondern sich zu einer handfesten Infektion ausgewachsen, die sich von den Mandeln über die Kieferhöhle bis zum Ohr ausgebreitet hat. Als ich nach 4 Tagen vor Schmerzen den Mund kaum mehr öffnen konnte, bin ich doch lieber zum Arzt. Zum ersten Mal habe ich in diesem Fall dann doch zu Antibiotika gegriffen und war recht schnell wieder fit. Ohne wäre das Wandern aber sicher angenehmer gewesen. Ich hoffe, ich lasse es mir eine Lehre sein und achte in Zukunft endlich ein wenig mehr auf meine Gesundheit.

Lektion Nummer 2: Meine akribische Planung hat sich als richtig und notwendig erwiesen. Ich weiß, dass ein paar von euch den Kopf geschüttelt haben (ja, fühlt euch angesprochen! ;)). Aber wenn man allein bei Temperaturen weit über 30°C auf einer Insel ohne jegliche natürliche Wasserquellen und mit einer sehr geringen Bevölkerungsdichte wandern geht, dann ist Vorausplanung und das Einkalkulieren gewisser Reserven unabdingbar. Das haben hoffentlich auch die zwei Hamburger gelernt, die ich recht orientierungslos, schlecht besohlt und mit einer – schon leeren – Halbliterflasche getroffen habe... Mit Wasser konnte ich ihnen aushelfen, mit gesundem Menschenverstand leider nicht!

Lektion Nummer 3: In Sizilien als Frau allein unterwegs zu sein ist anstrengend. Ich war lange genug in Bologna, um zu verstehen, dass Frauen in der italienischen Kultur eine wichtige Rolle einnehmen und es sich nicht durchweg um billige Flirtversuche handelt – Italiener drücken nun mal gerne ihre Bewunderung für das weibliche Geschlecht aus und das gehört ganz einfach dazu. Aber in Sizilien hatte ich doch immer wieder das Gefühl, im falschen Film zu sein. Vom wirklich netten Flirt bis zu sehr offensiven Annäherungsversuchen war alles dabei. Sicher ist die Mentalität im Süden eine ganz andere (siehe auch die nächste Lektion), aber zum Teil war ich doch einfach nur noch genervt.

Lektion Nummer 4, und die wichtigste Lektion überhaupt: Es gibt das Italien meiner Träume. Am Anfang war ich in Bologna ehrlich gesagt enttäuscht, wie verschlossen und kalt die Leute sind und wie schwer es ist, Bekanntschaften zu schließen, auch wenn mir von Stefania (aus Kalabrien) und Fabio (aus Molise) bestätigt wurde, dass das nur im Norden so ist. In Sizilien war ich erst mal einfach nur baff, was für ein Grundvertrauen einem von der Bevölkerung entgegengebracht wird. Ich habe viele, zum Teil sehr tiefgehende Gespräche mit Einheimischen geführt, und ich bin nach wie vor überwältigt von der Freundlichkeit, die mir entgegengebracht wurde. In Sizilien habe ich die zwischenmenschlichen Beziehungen gefunden, die ich Ansatzweise aus der Toskana kenne und die im tiefen Süden eine essentielle Rolle spielen. Sie sind Teil der dortigen Lebensweise, die genau das ist, was ich zu finden gehofft hatte. Auch wenn der Lebensstandard teilweise um einiges geringer ist, als es im Norden Italiens oder in Deutschland der Fall ist, so bin ich überzeugt davon, dass die Lebensqualität um Längen höher ist, weil andere und – meiner Meinung nach – weitaus richtigere Prioritäten gesetzt werden. Ich würde zu gerne eine Zeitlang in Süditalien leben und Land und Leute besser kennenlernen *träum* Jetzt aber erst mal genug geredet, und auf zu den Liparischen Inseln!

Lipari: Nach einem langen Tag (Flug nach Palermo, Zugfahrt nach Milazzo, Überfahrt nach Lipari) war ich abends endlich auf dem Zeltplatz in Canneto. Zelt aufgestellt (immer wieder verblüffend, wie wenig man für 14 Tage braucht), müde in den Schlafsack gefallen und von den nächsten wunderbaren Tagen geträumt ;)

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